„Geschäftsführer“ und (verantwortliche) Beauftragte im Lichte verwaltungsstrafrechtlicher Bestimmungen

Was lehrt uns die gegenwärtige COVID-19 Pandemie? Verwaltungsübertretungen werden bestraft. Das überrascht angesichts der Vielzahl verwaltungsstrafrechtlicher Bestimmungen nicht wirklich. Neu ist freilich, dass Herr und Frau Österreicher für das Sitzen auf Parkbänken, Freizeitvergnügungen in Form von Schitouren et cetera bestraft wurden (ob gesetzeskonform oder nicht, wird sich noch weisen). Ein „alter Hut“ ist hingegen, dass auch im Leben einer GmbH Verwaltungsübertretungen begangen werden. Der folgende Beitrag befasst sich mit der Frage, wem gegenüber solche Verwaltungsstrafen für „von der Gesellschaft begangene“ Übertretungen von Verwaltungsvorschriften verhängt werden.

Inhalt

1.        Ausgangslage. 1

2.        Begriffe. 2

3.        Rechtsfolgen einer Bestellung. 3

3.1       Berufsrechtlicher Geschäftsführer 3

3.2.       Beauftragter 4

3.3.       Verantwortlicher Beauftragter 5

3.3.1.    Bestellungsakt 5

3.3.2.    Formale Voraussetzungen. 6

3.3.3.    Bestellungsmodus 6

4.        Zusammenfassung. 7

5.        In eigener Sache. 8

1.      Ausgangslage

Die Verantwortlichkeit von Geschäftsführern einer GmbH umfasst sämtliche Tätigkeitsbereiche der Gesellschaft einschließlich der Einhaltung der für das Unternehmen geltenden Rechtsvorschriften. Normativer Ausgangspunkt für eine verwaltungs(straf-)rechtliche Haftung der Geschäftsführer ist in den meisten Fällen § 9 VStG, wonach für die Einhaltung von Verwaltungsvorschriften durch juristische Personen jene physischen Personen verantwortlich sind, die „zur Vertretung nach außen“ berufen sind. Es obliegt demjenigen, der für die Einhaltung der Verwaltungsvorschriften einzustehen hat, zu entscheiden, wie er bei entsprechendem Geschäftsumfang die arbeitsteilige Erledigung der Aufgaben organisiert und kontrolliert.

Das Verwaltungsstrafrecht des VStG ist dadurch gekennzeichnet, dass es ausschließlich natürliche Personen mit einer Strafe belegt; diese Sanktion besteht selbst dann, wenn unzweifelhaft die Gesellschaft sowohl der Adressat als auch der Nutznießer einer pönalisierten Verhaltensnorm ist. Der zentralen Bestimmung des § 9 Abs 1 VStG sowie vergleichbarer Regelungen in anderen Gesetzen liegt das Konzept zu Grunde,

  • dass ein GmbH-Geschäftsführer dafür bestraft wird, weil er es verabsäumt hat,
  • als Vertreter der Gesellschaft alles ihm Zumutbare und Mögliche zu unternehmen,
  • um zu verhindern, dass der unmittelbare Täter eine Verwaltungsstraftat begeht.

Die mit § 9 VStG bewirkte Pflichtenzuordnung bezweckt keinen Individualschutz (der Geschädigten), sondern nur präventive verwaltungsstrafrechtliche Zwecke.

Das Verwaltungsstrafrecht kennt zwei Arten der Verantwortlichkeit von Geschäftsführern:

  • Eigene Verwaltungsübertretungen;
  • der Gesellschaft zuzurechnende Verwaltungsübertretungen, wobei es auf den Tatzeitpunkt ankommt.

Aufgrund des in § 3 VStG enthaltenen Schuldprinzips erfolgt keine Bestrafung der GmbH als juristische Person, wohl aber der Geschäftsführer als Mitglieder ihres gesetzlichen Vertretungsorgans oder etwaiger verantwortlicher Beauftragter. Der diese Regelung enthaltende § 9 VStG gilt subsidiär gegenüber anderen Verwaltungsvorschriften. Eine der bedeutendsten Sondervorschriften, die aufgrund dieser bloß subsidiären Geltung des § 9 VStG diesem vorgehen, ist die Regelung der §§ 9, 39 GewO über den gewerberechtlichen Geschäftsführer.

2.      Begriffe

Eine Annäherung an die in der Überschrift angeführten Funktionen bedarf zunächst einer sorgfältigen Abgrenzung:

Unter einem Geschäftsführer wird ein Mitglied des gesetzlichen Vertretungsorgans – die Geschäftsführung – einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung verstanden. Zum Zwecke der besseren Unterscheidung zu anderen Geschäftsführern wird dem Mitglied des Geschäftsleitungsorgan der GmbH – eben dem Geschäftsführer – vielfach einer der folgenden Begriffe vorangestellt:

  • Gesellschaftsrechtlicher [Geschäftsführer]
  • Unternehmensrechtlicher [Geschäftsführer]
  • Handelsrechtlicher [Geschäftsführer]
  • Organschaftlicher [Geschäftsführer]

Diesen Geschäftsführer als gesetzlichem Vertretungsorgan der GmbH gibt es in verschiedenen Ausprägungen: Gesellschafter-Geschäftsführer, Fremdgeschäftsführer und (allesamt nicht empfehlenswert) Notgeschäftsführer, faktischer Geschäftsführer sowie – als Pendant zu diesem – Pro-forma-Geschäftsführer.

Den organschaftlichen Geschäftsführern obliegt – unbeschadet einer im Innenverhältnis wirksamen Ressortverteilung – die Gesamtverantwortung für die von ihnen geleitete Gesellschaft. Von dieser Gesamtverantwortung bestehen nur Ausnahmen, wenn diese gesetzlich angeordnet sind. Die in der Praxis wichtigste Ausnahme ist die Bestellung eines berufsrechtlichen Geschäftsführers, wobei im Reigen dieser berufsrechtlich verantwortlichen Personen der Rechtsfigur des gewerberechtlichen Geschäftsführers die größte praktische Bedeutung zukommt.

Unter einem Beauftragten wird eine physische Person verstanden, der durch die GmbH-Geschäftsführung ein bestimmter gesetzlich konkretisierter Aufgabenbereich übertragen wird bzw. – in der Mehrzahl der Fälle – übertragen werden muss. Diese Beauftragten zeichnen sich dadurch aus, dass

  • sie über eine bestimmte Qualifikation verfügen müssen; und
  • ihnen keine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit wirksam übertragen werden kann.

Ein verantwortlicher Beauftragter im Sinne des § 9 Abs. 2 VStG ist eine physische Person, der von der Geschäftsführung eine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit wirksam übertragen werden kann. Im Falle von Verwaltungsübertretungen im Verantwortlichkeits- und Wirkungsbereich des verantwortlichen Beauftragten ist dieser an Stelle der Geschäftsführer Adressat im Verwaltungsstrafverfahren.

3.      Rechtsfolgen einer Bestellung

3.1     Berufsrechtlicher Geschäftsführer

Die GmbH-Geschäftsführer müssen – wenn die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen – einen speziellen berufsrechtlichen Geschäftsführer bestellen, dem für das jeweilige Rechtsgebiet im Wesentlichen die alleinige verwaltungsrechtliche Verantwortlichkeit zukommt. Unter die Kategorie „berufsrechtliche Geschäftsführer“ fallen insbesondere der gewerberechtliche Geschäftsführer (§§ 9, 39 GewO 1994), der verantwortliche Geschäftsführer nach dem Rohrleitungsgesetz (§ 26 Abs 1 RohrLG) sowie der Geschäftsführer nach dem Gaswirtschaftsgesetz (§ 46 GWG). Daneben bestehen landesgesetzlich geregelte Bestimmungen über Geschäftsführer, die auch die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit näher regeln.

Aus der Sicht der GmbH-Geschäftsführung besteht in verwaltungsstrafrechtlicher Hinsicht der Vorteil der Bestellung eines berufsrechtlich Verantwortlichen darin, dass durch die rechtsrichtige Bestellung (faktisch) die gesamte verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit für die betreffende Berufsausübung auf diese Person übertragen wird. Der GmbH-Geschäftsführung obliegen keine unmittelbaren Kontrollpflichten.

Hierzu ein simples (fiktives) Beispiel: Der Autor dieses Beitrages ist Alleingesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH mit dem Unternehmensgegenstand „Betrieb von Friseursalons“. Der Umstand, dass ich nicht über die fachliche Qualifikation eines Friseurs verfüge, ist evident. Durch die verpflichtende Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers / einer gewerberechtlichen Geschäftsführerin für das reglementierte Handwerk „Friseur und Perückenmacher“ (§ 94 Z 22 GewO 1994) werden sämtliche Pflichten im Zusammenhang mit der Berufs- bzw. Gewerbeausübung auf den gewerberechtlichen Geschäftsführer übertragen. In meiner Eigenschaft als GmbH-Geschäftsführer obliegen mir auch keine Überwachungspflichten gegenüber dem gewerberechtlichen Geschäftsführer. Dies deshalb, weil jemand, der im betreffenden Handwerk nicht über die erforderliche Qualifikation verfügt (Christian Fritz), eine einschlägig befähigte Person schlichtweg nicht kontrollieren kann.

Wenn jetzt im Zusammenhang mit der Berufsausübung Verwaltungsübertretungen passieren, die Behörde hiervon Kenntnis erlangt und ein Verwaltungsstrafverfahren einleitet, so ist Adressat sowohl der behördlichen Erhebungen als auch einer allfälligen Geldstrafe der gewerberechtliche Geschäftsführer und nicht die GmbH-Geschäftsführung.

3.2.    Beauftragter

Die Vielzahl von „Beauftragten“ in Österreich ist beeindruckend, zumal naturgemäß für die meisten der nachfolgenden Funktionen auch entsprechende gesetzliche Bestimmungen bestehen. Eine Differenzierung besteht im Hinblick darauf, ob die Bestellung obligatorisch ist oder nicht.

Die GmbH-Geschäftsführer haben auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung „Beauftragte“ zu bestellen, ohne dass diese Bestellung bei ihnen zu einer Haftungsbeschränkung führt (= kein verantwortlicher Beauftragter iSd § 9 Abs 2 VStG). Zu dieser Fallgruppe von Beauftragten gehören unter anderem der / die Abfallbeauftragte,  Abwasserbeauftragte, Arbeitsmediziner, Aufzugswärter, Baustellenkoordinator, Beauftragte für Brandbekämpfung und Evakuierung, Beauftragte für die biologische Sicherheit,  Beauftragte für nukleare Sicherheit, Behindertenvertrauensperson, besondere Beauftragte zur Sicherstellung der Bestimmungen zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung, verschiedenen Betriebsleiter und Betriebsaufseher, Brandschutzbeauftragter, Brandschutzwart, der im vorangeführten Beispiel erwähnte (Dampf-)Kesselwärter, Datenschutzbeauftragte,  Gefahrengutbeauftragte, Giftbeauftragte, Gleichbehandlungsbeauftragte im Energierecht, Hebeanlagenwärter, Pflanzenschutzmittelbeauftragte, Präventivfachkraft, Sicherheitsbeauftragte für Medizintechnik, Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsvertrauensperson, Sprengbefugte, Sprinklerwart, Talsperrenverantwortliche und Verkehrsleiter.

Die genannten Personen, können im Verhältnis zur beauftragenden GmbH einer zivilrechtlichen Haftung für durch Pflichtverstöße verursachte Schäden unterliegen. Ob diese Personen eine eigene verwaltungsstrafrechtliche Verantwortung trifft, spielt aus Sicht des Geschäftsführers keine Rolle, da deren Pflichten zu jenen des Geschäftsführers hinzutreten. Die vorangeführten Beauftragten sind typologisch nur zur Unterstützung und Beratung des Geschäftsführers gedacht, übernehmen aber nicht für diesen die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortung.

Beispiel: Wenn ein von der GmbH-Geschäftsführung wirksam bestellter Dampfkesselwärter seine Pflichten verletzt, so wird im Falle einer von diesem begangenen Verwaltungsübertretung durch Tun oder Unterlassen nicht der betreffende Normverletzer (also der der Dampfkesselwärter) bestraft; Strafadressaten sind vielmehr auf Grund des dem Verwaltungsstrafrecht immanenten Kumulationsprinzip sämtliche Geschäftsführer. Diesen stünde zwar theoretisch ein Regressanspruch gegen den sorgfaltswidrig handelnden Dampfkesselwärter zu, dieser wird jedoch aufgrund des Dienstnehmerhaftpflichtprivilegs mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht (zur Gänze) durchsetzbar sein.

Die GmbH-Geschäftsführer können freiwillig einen Beauftragten für ein bestimmtes Fachgebiet namhaft machen, ohne dass insoweit eine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit übertragen wird. Zu diesen freiwillig bestellten Beauftragten gehören unter anderem: Allergenbeauftragter, Arbeitspsychologe, Aufgabenträger für Objekt- und Gebäudesicherheit, Betriebsprüfer gemäß „eco management and audit scheme“ (EMAS), Brandschutzmanager, CE-Beauftragte, Energiebeauftragter, Interner Auditor, Laserschutzbeauftragter, Legal Compliance Beauftragter, Managementbeauftragter, Produktsicherheitsbeauftragter, Qualitätsbeauftragter, Security-Beauftragter, Sicherheits- und Gesundheitsmanagementbeauftragter, Technischer Redakteur, Umwelt(schutz)beauftragter und Wasserwart.

3.3.    Verantwortlicher Beauftragter

3.3.1. Bestellungsakt

Nachdem es einleuchtet, dass GmbH-Geschäftsführer in einem größeren Unternehmen nicht überall sein können, bietet § 9 Abs. 2 VStG zwei Wege, die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit zu übertragen:

  1. Mehrere Geschäftsführer können aus ihrer Mitte ein Mitglied des Leitungsorgans der Gesellschaft zum verantwortlichen Beauftragten für den gesamten Geschäftsbetrieb, für einen oder mehrere räumlich abgegrenzte Bereiche sowie für eine oder mehrere sachlich (fachlich) abgrenzbare Zuständigkeit(en) bestellen. Durch die wirksame Bestellung eines Geschäftsführers besteht im Bereich der von ihm übernommenen verwaltungsstrafrechtlichen Verantwortlichkeit keine Gefahr einer kumulativen Bestrafung seiner übrigen Geschäftsführerkollegen.

Beispiel:

Die Gesellschaft hat drei Geschäftsführer; ein verantwortlicher Beauftragter wurde nicht bestellt. Aufgrund einer Kontrolle des Arbeitsinspektorats wurde bei 15 Mitarbeitern an 30 Tagen eine Überschreitung der gesetzlichen Maximalarbeitszeit festgestellt. Die Behörde verhängt pro Mitarbeiter und Tag eine Verwaltungsstrafe von € 50,–. Aufgrund der Tatsache, dass alle drei Geschäftsführer an der Verwaltungsübertretung ein Verschulden trifft, wird die Verwaltungsstrafe in Höhe von € 22.500,– kumulativ über jeden Geschäftsführer verhängt; sie beläuft sich somit insgesamt auf € 67.500,–.  Kann die Gesellschaft hingegen die Bestellung eines Geschäftsführers zum verantwortlichen Beauftragten (für den gesamten Geschäftsbetrieb) nachweisen, so beträgt die Verwaltungsstrafe „nur“ € 22.500,–.

  1. Die Geschäftsführer können einen Mitarbeiter der Gesellschaft (das Gesetz spricht von einem „Dritten“) für einen oder mehrere räumlich abgegrenzte Bereiche sowie für eine oder mehrere sachlich (fachlich) abgrenzbare Zuständigkeit(en) zum verantwortlichen Beauftragten bestellen. Die Bestellung eines Dritten zum verantwortlichen Beauftragten für den gesamten Geschäftsbetrieb ist hingegen nicht zulässig.

Um einen Mitarbeiter der Gesellschaft wirksam zum verantwortlichen Beauftragten zu bestellen, sind grundsätzlich nachfolgende Erfordernisse / Voraussetzungen zu beachten:

  • Rechtzeitige nachweisliche Zustimmung zur Bestellung durch den Betroffenen.
  • Dem verantwortlichen Beauftragten muss ein zweifelsfreier sachlich und / oder räumlich definierter Verantwortungsbereich zugewiesen sein.
  • Dem verantwortlichen Beauftragten ist eine Anordnungsbefugnis im Rahmen seines kraft Funktion gesetzlich geschuldeten Pflichtenkreises einzuräumen.
  • Behördliche Zustellungen an den verantwortlichen Beauftragten im Verwaltungsstrafverfahren müssen gewährleistet sein.

Für die Übernahme der verwaltungsstrafrechtlichen Verantwortlichkeit im Bereich des Arbeitnehmerschutzes ist die Stellung als leitender Angestellter erforderlich. Manche gesetzlichen Bestimmungen sehen auch den Nachweis bzw behördliche Prüfung der Zuverlässigkeit sowie den Nachweis einer bestimmten fachlichen Expertise vor.

Rechtsfolge der Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten aus dem Kreis der Mitarbeiter ist, dass die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortung dorthin verlagert wird, wo sie auch entsteht (zum Beispiel in eine vom Firmensitz örtlich weit entfernte Betriebsstätte). Strafadressat im Falle einer Verletzung von Verwaltungsvorschriften ist dann nur der Mitarbeiter, nicht aber die Geschäftsführer. Im Gegensatz zur Bestellung eines berufsrechtlichen Geschäftsführers sind die Geschäftsführer verpflichtet, den verantwortlichen Beauftragten insoweit zu kontrollieren, ob er seine ihm erteilte Anordnungsbefugnis auch tatsächlich ausübt.

3.3.2. Formale Voraussetzungen

Die richtige Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten (insbesondere aus dem Kreis der Mitarbeiter) ist eine äußerst komplexe Materie; die wichtigsten Bestellungsgrundlagen werden im Folgenden zusammengefasst:

  1. Die GmbH-Geschäftsführer können verantwortliche Beauftragte bestellen (,)
  2. gemäß § 26 Abs 1 AWG, § 23 ArbIG, § 24 Abs 1 LSD-BG; § 26 AußHG, § 50 AußWG, § 28a Abs 3 AuslBG, § 22 BiozidprodukteG, § 72 Abs 2 ChemG 1996, § 93 LMSVG, § 24 LSD-BG, § 24 SKG, § 7 Abs 2 Z 2 StrSchG, § 23 VAIG;
  3. wenn in den verschiedenen Materiengesetzen die Rechtsfigur des verantwortlichen Beauftragten zwar nicht erwähnt ist, eine Bestellung jedoch auch nicht explizit ausgeschlossen ist.
  1. Die GmbH-Geschäftsführer müssen einen verantwortlichen Beauftragten aus ihrem Kreise bestellen, wenn eine solche Bestellung von der Behörde durch Bescheid verlangt wird; dies kommt in der Praxis nur selten vor.
  2. Die Geschäftsführer haben auf Verlangen der Behörde einen verantwortlichen Beauftragten zu bestellen, der nicht dem gesetzlichen Vertretungsorgan der Gesellschaft angehören muss (§ 26 Abs 1 AußHG § 50 Abs 1 AußWG, § 15 Abs 2 SKG).

3.3.3. Bestellungsmodus

Im Hinblick auf die Bestellung des verantwortlichen Beauftragten sind folgende Unterscheidungskriterien von praktischer Bedeutung.

  1. Die Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten ist im jeweiligen Materiengesetz geregelt.
    1. § 26 Abs 1 AWG, § 23 ArbIG, § 24 Abs 1 LSD-BG; § 26 AußHG, § 50 AußWG, § 28a Abs 3 AuslBG, § 22 BiozidprodukteG, § 72 Abs 2 ChemG 1996, § 93 LMSVG, § 24 LSD-BG, § 24 SKG, § 7 Abs 2 Z 2 StrSchG, § 23 VAIG, § 22 Abs 5 FMBAG.
  2. Die Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten ist gesetzlich nicht geregelt, jedoch zulässig.
    1. Arbeitsruhegesetz, Arbeitszeitgesetz, Kriegsmaterialgesetz, Arbeitskräfteüberlassungsgesetz, et cetera
  3. Die Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten ist kraft Gesetzes unzulässig.
    1. Sicherheitsfachkräfte, Arbeitsmediziner und Sicherheitsvertrauenspersonen dürfen nicht zu verantwortlichen Beauftragten bestellt werden.
    2. Sowohl im Gewerberecht als auch im Steuerrecht ist die Bestellung von verantwortlichen Beauftragten im Sinne des § 9 Abs 2 VStG unzulässig.
  4. Für die Wirksamkeit der Bestellung genügt eine interne Vereinbarung, die den Erfordernissen des § 9 Abs 2 VStG entspricht:
    1. Zum Beispiel im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz, Strahlenschutzgesetz
    2. In allen Materiengesetzen, in denen die Rechtsfigur des verantwortlichen Beauftragten nicht angeführt, dessen Bestellung nach allgemeinen Grundsätzen jedoch zulässig ist.
  5. Die Bestellung zum verantwortlichen Beauftragten ist erst ab Zugang der im jeweiligen Materiengesetz benannten Behörde rechtswirksam.
    1. Arbeitnehmerschutz an das Arbeitsinspektorat (§ 23 Abs 1 erster Satz ArbIG) oder Verkehrsarbeitsinspektorat (§ 23 VAIG)
    2. Ausländerbeschäftigung an die Zentrale Koordinationsstelle des Bundesministeriums für Finanzen für die Kontrolle illegaler Beschäftigung als „zuständige Finanzbehörde“ im Sinne des § 28a Abs 3 AuslBG
    3. Meldung ausländischer Arbeitgeber an die Zentrale Koordinationsstelle des Bundesministeriums für Finanzen für die Kontrolle illegaler Beschäftigung (§ 24 Abs 1 Z 1 LSD-BG)
    4. Meldung inländischer Arbeitgeber an den Krankenversicherungsträger (§ 24 Abs 1 Z 2 LSD-BG)
    5. Magistratsabteilung 58 der Stadt Wien für die Winterdienst-Verordnung 2003
    6. Landeshauptmann (26 Abs 1 AWG, § 22 BiozidprodukteG, § 72 Abs 2 ChemG)
    7. Finanzmarktaufsicht (§ 22 Abs 5 FMABG)

4.       Zusammenfassung

Der heutige Beitrag demonstriert, dass eine Übertragung der verwaltungsstrafrechtlichen Verantwortlichkeit rechtlich möglich und unter organisatorischen Gesichtspunkten erforderlich ist. Die Etablierung eines „flächendeckenden Systems“ von verantwortlichen Beauftragten aus dem Kreis der Mitarbeiter ist kein einfaches Unterfangen. Was jedoch sehr einfach erreicht werden kann, ist die Vermeidung einer kumulativen Bestrafung sämtlicher Geschäftsführer. Bereits bei zwei gesellschaftsrechtlichen Geschäftsführen lohnt sich die Namhaftmachung eines der beiden Organmitglieder zum verantwortlichen Beauftragten für den gesamten Geschäftsbetrieb.

Beispiel:

„Wir, sämtliche Geschäftsführer der ABC-Industriebetriebe GmbH bestellen Anton Alber zum verantwortlichen Beauftragten für den gesamten Geschäftsbetrieb.

[Ort, Datum, Unterschriften sämtlicher Geschäftsführer]

Ich habe die Bestellung zum verantwortlichen Beauftragten für den gesamten Geschäftsbetrieb angenommen.

[Ort, Datum, Unterschrift Anton Alber]“

Das Formulierungsbeispiel verdeutlicht, dass es in der Praxis nicht so schwer ist, eine kumulative Bestrafung mehrerer Geschäftsführer zu vermeiden.

5.       In eigener Sache

Wir haben die in Tirol sehr umfassenden Ausgangsbeschränkungen im Zuge des Lockdowns genutzt, um unser Erscheinungsbild zu ändern: Wir heißen jetzt schlicht „Kanzlei Fritz“. Die Zeit des intensiven Home-Office haben wir auch zur Fertigstellung eines Fachbuches verwendet, in dem wir praxistaugliche Strategien zur Haftungsvermeidung im Verwaltungsrecht entwickelt haben. Der heutige Fachbeitrag soll insoweit auch „Lust auf mehr“ wecken.